Geschichte

1798 - Einmarsch der Franzosen in die Eidgenossenschaft und Schaffung eines Einheitsstaates der "Helvetischen Republick". Oesterreich, Russland und England werden zu verbündeten Gegnern der Franzosen.......

1799 - gelingt es dieser "Zweiten Koalition" die Franzosen aus Süddeutschland zu vertreiben und die unter dem Kommando des General Masséna in der Schweiz stehenden französischen Truppen zu schlagen. (Erste Schlacht bei Zürich vom 4. - 6. Juni 1799). Zur völligen Vertreibung der Franzosen entwerfen die Kabinette in Wien, St. Petersburg und London einen Plan. Darin wird den Russen die Hauptaufgabe zugewiesen. Eine russische Armee von 23' 000 Mann unter General Korsakow löst die österreichische Armee unter Erzherzog Carl bei Zürich ab. Er hat die Aufgabe die Truppen Massénas zu binden - während ein Teil der österreichischen Armee unter General Hotze, von der Linth auf Einsiedeln vorstossen soll. Ein anderer Teil unter General Linken soll aus dem Vorderrheintal über die Pässe ins Glarnerland und über den Panixerpass auf Schwyz vorstossen.

Die in Italien siegreiche, über 21' 000 Mann starke Armee des General Alexander Suworow, aber erhält den Auftrag über den St. Gotthard nach Schwyz vorzudringen. Um so vereint mit Linken, Hotze und Korsakow die Franzosen aus der Schweiz zu vertreben. Der komplizierte Plan verlangt eine präzise und zeitliche Koordination aller Bewegungen. Wichtigste Voraussetzung für ein Gelingen: jede Teiloperation muss erfolgreich verlaufen! Sonst droht dieser Plan zu scheitern.

So passiert es: die Franzosen siegen über die Armeen Korsakows und Hotze (Zweite Schlacht bei Zürich vom 25. - 26. Sept. 1799.) Suworows Verbündete müssen sich zurückziehen. Suworows Armee - verspätet über den Kinzigpass ins Muotatal marschierende - um von dort aus nach Schwyz vorzustossen - sieht sich von seinen Verbündeten verlassen.

Chronik des Alpenzuges Sept./Okt. 1799

15. September -  Suworow erreicht mit seiner russischen Armee von mehr als 21' 000 Mann Taverne bei Lugano. Es erfolgt ein fünftägiger unfreiwilliger Aufenthalt. Die für die Alpenüberquerung benötigten und von der östereichischen Militärverwaltung versprochenen Maultiere waren nicht eingetroffen. Dies wirkt sich später verhängnisvoll aus.

19. September - Das Korps des General Rosenberg marschiert mit 6' 000 Mann ab in Richtung Lukmanierpass, Disentis, Oberalppass. Diese Kolonne soll die französische Gotthard-Stellung umgehen.

21. September - Abmarsch des Korps Rosenberg und der übrigen Armee nach Bellinzona.

22. September - Das Korps Derfelden rückt bis Giornico vor.

23. September - Vormarsch bis Diazo Grande an der Talenge oberhalb Faido.

Bild: Suworow auf dem St. Gotthard.

24. September - Angriff auf den Gotthard: Die Franzosen ziehen sich unter grossem Widerstand durchs Val Tremola in eine fast uneinnehmbare Stellung unterhalb des Gotthard-Hospizes zurück. Diese fällt erst, als eine russische Abteilung auf einem kühnen Umgehungsmarsch durch unwegsames Gebiet in ihren Rücken gelangt. Die Franzosen ziehen sich daher nach Hospental zurück, wo sie nochmals Widerstand leisten. Erst das Eintreffen des Korps Rosenberg in Andermatt zwingt sie zur Flucht.

25. September - Suworows Truppen erzwingen den Durchgang durchs Urnerloch und über die Teufelsbrücke. Die Franzosen zerstören einen Bogen am Zugang (nicht die Brücke selbst) - wie es oft dargestellt wird. Sie behindern damit den Vormarsch, so dass die Hauptmacht der Russen erst am Abend in Wassen eintrifft.

Bild: Kampf um die Teufelsbrücke.

26. September - Die Franzosen ziehen sich nach Seedorf zurück. Suworow ist am Abend in Altdorf. Nach Schwyz - wo man sich mit den Oestrereichern vereinen wollte - führten damals nur schwierige Gebirgspfade. Die Axenstrasse war noch nicht gebaut und die Franzosen hatten alle Schiffe vom Urnersee weggeführt. (Ob Suworow wusste, dass kein direkter Weg nach Schwyz führte ist noch nicht ganz geklärt.) So wählte er den Weg über den 2073 m hohen Kinzigpass ins Muotatal, der von den Franzosen nicht eingesehen werden konnte.

27. September - Die Avantgarde bricht um fünf Uhr früh von Bürglen auf und erreicht in 12 Stunden Muotathal. Bei Regen, mit zerfetztem Schuhwerk und ohne Brot zieht das Gros der Armee während zwei Tagen über den Pass.

28. September - In Muotathal erst erfährt Suworow von der schweren Niederlage der Russen in Zürich  vom 25./26. Sept. und der Oestrereicher bei Schänis. Ohne die Verspätung wegen der fehlenden Maultiere, hätte Suworow eingreiffen können - die Geschichte hätte einen andern Verlauf genommen. So beschliesst man im Kriegsrat, über den Pragelpass ins Glarnerland zu marschieren, um dort Anschluss an die Oesterreicher zu suchen.

Bild: Die Russen am Klöntalersee.

29. September - Eine Vorausabteilung marschiert über den Pragelpass und trifft im Klöntal auf die Franzosen, (statt auf die erwarteten Oesterreicher unter Linken.)

30. September - Die eine Hälfte der russischen Armee folgt der Vorausabteilung, die andere wehrt die andrängenden Franzosen im Muotatal ab.

Bild: Schlacht im Muotatal.

1. Oktober - Während die Arriérgarde unter Rosenberg im Muotatal die Franzosen zurückschlägt - dringt die Hauptmacht durchs Klöntal vor. Es gelingt aber nicht, die Linthbrücke bei Mollis in Besitz zu nehmen.

2. bis 4. Oktober - Suworow hält Kriegsrat in einem kleinen Häuschen oberhalb Netstal. Im Raume Glarus/Riedern/Netstal warten die Truppen auf die aus dem Muotatal abrückende Nachhut. Ein Ausbruch aus dem von den Franzosen abgeriegelten Glarnerland über den Kerenzerberg nach Sargans erscheint aussichtslos. Daher beschliesst man im Kriegsrat zum Marsch über den Panixerpass ins Vorderrheintal.

5. Oktober - Marsch von Glarus über Schwanden und durchs Sernftal nach Elm, bis dahin sie auch von den Franzosen verfolgt werden.

Bild: Lagerfeuer Suworow in Elm. Geschenk des Künstlers Jakob Schneider, Elm.

6. Oktober - Um zwei Uhr früh Aufbruch zum Gebirgsmarsch über den Panixer, der sich als noch schwieriger als die bisherigen Pässe erweist. Halb barfuss, durchnässt, hungrig und erschöpft schleppt sich die Armee über den 2' 074 m hohen Pass. Tiefer Schnee macht den Weg unkenntlich, viele stürzen in Abgründe. Am Abend erreicht Suworow mit der Avantgarde das Dorf Panix/ Pigniu.

ab 7. Oktober - Suworow trifft in Ilanz ein; Weitermarsch nach Chur wo von den anfangs über 21' 000 Mann nur noch 15' 000 eintreffen. Danach weitermarsch über Luziensteig, Balzers nach Feldkirch. Bruch mit Oesterreich............ und Rückmarsch nach Russland.

Der 70 jährige Suworow erkrankt auf dem Heimweg, erholt sich nicht mehr richtig, so dass er am 18. Mai 1800 in St. Petersburg stirbt. Sein Weg über die Schweizer Alpen war militärisch wirkungslos, dennoch ist der Marsch in die Geschichte eingegangen. An den Orten wo die Armee durchgezogen war, erinnern noch heute Gedenkstätten an dieses Ereignis. Dass die Armee damals ganze Täler "leergefressen" hatten, ist Suworow verziehen.

Heute wandern immer wieder Einzelpersonen und Gruppen auf den Spuren Suworows, um zu erfahren welche körperliche Leistung damals erbracht wurde. Wann begeben Sie sich auf die Spuren Suworows?